Bioenergiedörfer Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

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Bioenergie neu denken – was kommt nach dem EEG?

BMEL fördert Entwicklung und Evaluierung verschiedener Post-EEG-Konzepte

Zwischen 2025 und 2035 endet für das Gros der Biogasanlagen und Biomasseheizkraftwerke die 20-jährige Förderlaufzeit nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Aus technischer Sicht könnten viele Anlagen weiter betrieben werden, dafür braucht es aber neue, tragfähige Konzepte. Verschiedene Ideen dafür existieren bereits in Theorie und Praxis, eine fundierte Auswertung fehlt aber noch. Aktuell sind nun sechs Verbundprojekte mit insgesamt 19 Teilvorhaben gestartet, in denen Wissenschaftler diverse Konzepte systematisch analysieren, um Betreibern Handlungsempfehlungen für die Post-EEG-Zeit an die Hand zu geben.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert die Vorhaben über seinen Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) mit einer Fördersumme von insgesamt 3,4 Mio. Euro. Die Projekteinreichung und –auswahl erfolgte im Rahmen des BMEL-Förderaufrufs „Strom aus Biomasse in künftigen Bioenergiesystemen“. Nähere Informationen und Ansprechpartner zu den Projekten finden Sie auf der Seite https://bioenergie.fnr.de/projekte-und-foerderung/projekte/post-eeg/ .

BE20plus:
Ein Wissenschaftlerteam unter Koordination des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) evaluiert, welche Geschäftsmodelle für Bioenergie-Bestandsanlagen über den Zeitraum der EEG-Förderung hinaus in Frage kommen, um einen Weiterbetrieb, eventuell auch mit geänderter betrieblicher Ausrichtung, zu ermöglichen. Die Untersuchungen umfassen die Teilnahme an Ausschreibungen nach dem EEG 2017 ebenso wie einen Weiterbetrieb ohne EEG-Förderung. Die Forscherinnen und Forscher führen energiewirtschaftliche, technische und ökonomische Analysen durch und entwickeln auf dieser Basis Geschäftsmodelle. Mittels Modellierungen stellen sie die Auswirkungen auf den Anlagenbestand, auf die Strom- und Wärmeversorgung, auf die Land- und Forstwirtschaft sowie die Umweltwirkungen dar. Die Ergebnisse sollen Anlagenbetreibern und verbundenen Industrie- und Dienstleistungspartnern betriebliche Perspektiven aufzeigen.

ProBiogas:
In dem Projekt erarbeiten das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) zusammen mit der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen praxistaugliche und zukunftsweisende Geschäftsmodelle für Biogasanlagen. Dazu evaluieren die Projektmitarbeiter systematisch verschiedene Optimierungsmaßnahmen, die heute bereits zum Einsatz kommen, hinsichtlich ihrer ökonomischen Effekte. Anlagenbetreiber und Berater werden in die Lage versetzt, anhand detaillierter Informationen zu den technischen Möglichkeiten und deren ökonomischen und ökologischen Konsequenzen passende Konzepte für Biogasanlagen zu identifizieren und weiterzuentwickeln. Ziel ist es, das „System Biogas“ so zu ertüchtigen, dass es weiterhin einen relevanten Beitrag zur hiesigen Energiebereitstellung, aber auch Systemdienstleistungen außerhalb der Energiebereitstellung, z.B. für die Landwirtschaft, erbringen kann.

Biogas Autark:
Lohnt es sich für Landwirtschaftsbetriebe mit Milchvieh oder Schweinehaltung, eine Biogasanlage zur Selbstversorgung mit Strom, Wärme, Kälte und Kraftstoffen weiter zu betreiben? Und können Biogasanlagen, die ein Nahwärmenetz versorgen, dieses auch ohne EEG-Förderung weiter wirtschaftlich betreiben? Das wollen Wissenschaftler des Instituts für ZukunftsEnergie und Stoffstromsysteme (IZES) und der Universität Hohenheim untersuchen. Dazu analysieren sie umfangreiche energie- und landwirtschaftliche Datensätze, rechnen Szenarien durch und untersuchen die Umsetzung von Eigenversorgungskonzepten in beispielhaften Praxisbetrieben.

Next Generation [Biogas]: 
Biogasanlagen können - geeignete Konzepte vorausgesetzt – mehr als „nur“ Energie produzieren:  Sie stabilisieren das Stromnetz, verringern Nährstoffeinträge in Gewässer und Methanemissionen in die Umwelt, erhöhen die Biodiversität, schließen Nährstoffkreisläufe und schaffen Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum.
Mitarbeiter der Universitäten Stuttgart und Lüneburg und der Hochschule Nordhausen wollen Anlagenkonzepte, die gezielt auf diese positiven Effekte setzen, als Post-EEG-Optionen entwickeln und bewerten. Die Forscher ermitteln den jeweiligen Förderbedarf, erarbeiten mögliche Finanzierungsmodelle und stellen ein System an Gütekriterien für besonders erhaltungswürdige Anlagen bereit. Anhand realer Biogasanlagen in drei Regionen überprüfen sie zudem die Umsetzbarkeit in die Praxis. 

SmartBio:
Strom aus Biogasanlagen hat vergleichsweise hohe Gestehungskosten, aber auch besondere Fähigkeiten bei der Stabilisierung der Energieversorgung. Die Technische Hochschule Ingolstadt will quantifizieren, welches zusätzliche Einkommen sich mit dieser Fähigkeit in einem „Smart Market“, also in einem temporär und lokal agierenden Markt für flexible zu- und abschaltbare Strommarktteilnehmer, erlösen lässt. Damit könnte sich die zukünftige Erlöslücke nach dem EEG, wenn auch vielleicht nicht schließen, so doch verringern. Womöglich sind Biogasanlagen in der Lage, auf Verteilnetzebene Aufgaben von zukünftig stillgelegten fossilen Kraftwerken zu übernehmen, die für die Versorgungssicherheit wichtig sind. So können sie in einem solchen „Smart Market“ u.a. die bislang bei drohenden Netzengpässen übliche Abregelung von Windkraft- und Photovoltaikanlagen (und z.T. auch Biogasanlagen selbst) verhindern, indem sie durch die zusätzlichen Preissignale des „Smart Markets“  Anreize erhalten, ihre Stromerzeugung zeitlich -  beeinflusst vom Netzengpass - zu verlagern. Ob dieses in der Praxis tatsächlich zur Netzentlastung beiträgt, bewerten die Stadtwerke Rosenheim auf Grundlage der jetzigen und zukünftigen Netztopologie für ihr Netzgebiert Rosenheim. Unter der Vorrausetzung neuer Technologien (z.B. Blockchain) wollen sie prüfen, inwieweit ein SmartMarket für ihren Anlagenpool eine neue Vermarktungsmöglichkeit bietet.

REzAB:
Ein Team der Technischen Hochschule Ingolstadt, der Fachhochschule Münster und von C.A.R.M.E.N. e. V. will herausfinden, welchen Repoweringbedarf Biogasanlagen haben, die nach dem Ende ihrer EEG-Laufzeit an Ausschreibungen teilnehmen wollen. Dazu analysieren die Mitarbeiter den baulichen Zustand und das technische Optimierungspotenzial von 14 Praxisanlagen, die repräsentativ für typische Biogasanlagen in Deutschland sind. Sie wurden bereits 2010 technisch und ökonomisch bewertet und durch Repoweringmaßnahmen optimiert. Mit welchen Maßnahmen kann eine Biogasanlage mindestens zehn weitere Jahre Strom produzieren und zu welchem Preis? Diese Fragen sollen beantwortet werden.

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Nicole Paul
Tel.: +49 3843 6930-142
Mail: n.paul(bei)fnr.de

PM 2018-03

 

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